Bremse hinten revidieren

#1 von supertevran , 10.09.2022 19:59

Hallo Leute

Also wenn ich wieder zuhause bin muss ich unbedingt die hintere Bremse revidieren.
Sie "hängt" sozusagen nach dem Tritt aufs Pedal zum Starten des Motors.

Hat das schon mal wer durchgeführt und wie geht man da am besten vor?
So wie das jetzt ist ist das kein Zustand - x-mal treten bis sie sozusagen frei ist bzw. die Mopette vor- und zurückbewegen bis es wieder rund läuft.

Gruss und Danke

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RE: Bremse hinten revidieren

#2 von Dodo , 10.09.2022 23:19

Da gibt's eigentlich nur drei Möglichkeiten.

• Bowdenzug fest gegammelt oder gerostet.
• Bremsbolzen an der Trommel hinten verschmutzt oder festgerostet.
• eine oder beide Federn in der Trommel zwischen den Bremsbacken gebrochen.

Entweder neuer Bowdenzug verbauen oder den alten gangbar machen.

Den Bolzen von der Umlenkung in der Trommel ausbauen, Bolzen und Durchführung reinigen und gefettet wieder einbauen.

Federn erneuern.


Ich tendiere zum Zug oder Bolzen.
Meist ist aber der Bolzen fest.
Federn sind ganz selten defekt.

In weit über 30 Jahren schrauberei hatte ich nur eine defekte Feder.
Dafür fast jedes Jahr an einem anderen Fahrzeug einen fest gegammelten Bolzen.....

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RE: Bremse hinten revidieren

#3 von supertevran , 11.09.2022 10:43

@Dodo Vielen Dank erstmal! Ich kann verstehen was Du schreibst und auch mir erscheint das Problem am wahrscheinlichsten am Bolzen zu liegen.

Dürfte ich Dich noch bitten mir ein klein wenig Hilfestellung zu geben wie genau man den Bolzen von der Umlenkung in der Trommel ausbaut?
Ich war da hinten - bis auf die üblichen Radwechsel zum Reifenwechsel noch nie dran? Was muss alles weg und wie krieg ich den Bolzen raus?
Beläge müssen dann doch auch runter oder wie und in welcher Reihenfolge montierst Du das auseinander und wieder zusammen. Danke.

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RE: Bremse hinten revidieren

#4 von Dodo , 11.09.2022 12:00

Is kein Hexenwerk.

Als erstes würde ich mal den Bremsbowdenzug am Hinterrad komplett lösen und aushängen.

Jetzt kannst den Hebel von Hand bewegen.
Geht der leicht, is dein Zug fest!
Dann Zug erneuern oder revidieren....
Geht der schwer, dann is der Bolzen fest.
Dabei kannst aber auch gleich den Zug mal prüfen und ggf. Ölen.......

Erstmal markierst du dir den Bremshebel am Bolzen mit einem Edding oder einem kleinen Kratzer mit dem Schraubendreher.
Dann findest du später wieder einfacher die passende Stellung der Verzahnung wieder!

Dann Hinterrad wie gewohnt demontieren.
Mach dir dann eine Markierung auf einen Bremsbackenanker, das die später wieder genau so eingesetzt werden können und klapp die einfach "mit sauberen/Fettfreien Fingern!" zu dir hin.
Aber zwickt dir nicht die Flossen ein, die stehen unter Federspannung!

Dann den Bolzen mit einer Zange unter Drehbewegung zur Bremsseite hin raus ziehen.
Geht dies nicht, von aussen mit einem harten Gummi-/Kunststoffhammer oder normalem Hammer und einem Stück Holz nachhelfen.
Eine zweite Person und etwas Kriechöl erleichtert das ganze......
Nicht mit einem Eisenhammer direkt auf den Bolzen!!!!
Sonst kannst den stauchen und hast mit dem Hebel wieder Probleme beim zusammenbaut.

Wenn der Bolzen raus ist, Durchführung und Bolzen gut mit Schmirgelpapier oder Schleifflies und ggf. Bremsenreiniger reinigen und gefettet wieder einbauen.
!!!! WICHTIG!!! Überschüssiges Fett innen nach einbau entfernen !!!
Sonst läuft dir das evtl. in die Trommel und dann is auch mit Bremsen Essig.......

Original is da auch nochmal ein kleiner Filzring zwischen Gehäuse und Bolzeninnenseite.
Der soll eigentlich verhindern, das Schmiermittel raus und Bremsstaub in die Durchführung kommt.
Ggf. den auch ersetzen.
Kannst dir aus Bastelfilz zurecht schneiden, das geht auch.

Dabei kannst gleich die Beläge und die Trommel etwas mit Schleifpapier wieder anrauhen.

Wichtig: vor dem Radeinbau erst den Hebel wieder in markierter Stellung anbringen (erspart nochmaliges zerlegen von Rad etc.).
Bowdenzug einhängen und testen.
Wenn alles wieder leicht in die Endstellung geht wieder Rad und Auspuff an bauen und Bremse einstellen nicht vergessen!

Fertig.

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RE: Bremse hinten revidieren

#5 von supertevran , 11.09.2022 18:55

@Dodo DANKE!! Eine perfekte, absolut klare und nachvollziehbare Schritt-für-Schritt-Anleitung für all diejenigen die das noch nie gemacht haben - mich natürlich eingeschlossen.
Wirklich SEHR hilfreich - das ziehe ich so durch und melde mich mit einem Feedback ob und wie es geklappt hat.

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RE: Bremse hinten revidieren

#6 von Dodo , 11.09.2022 22:31

Was ich noch vergessen habe:

Pass bei der Demontage vom Hebel auf die Gegendruckfeder auf!
Die hüpft gerne mal unbemerkt davon!
Ohne diese Feder fehlt dir einiges an Druck zurück in die Ausgangsstellung!

Die Feder hat ca. Kulli-stärke und dürfte so ca. 5-6cm lang sein.
Am Hebel ist Richtung Getriebe eine "Nase" und im Getriebegehäuse eine Sackbohrung.
Da gehört die dazwischen!
Erst den Bremszug wieder einführen, wenn die Feder an ihrem Platz ist.
Sonst bekommst evtl. den Hebel nicht mehr so weit zurück um die Feder nachträglich rein zu wursteln......

Fazit:
Wer vorher gut schaut, mit bedacht zerlegt hat hinterher weniger Arbeit. 😉

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RE: Bremse hinten revidieren

#7 von supertevran , 04.08.2023 19:12

Heute endlich kann ich berichten dass ich die Bremsenrevision hinten nach der Anleitung hier an meiner Helix mit 47k Laufleistung durchgeführt habe.

- Nach dem aushängen des Zuges habe ich eindeutig festgestellt dass der Bolzen und nicht das Kabel das Problem ist. Liess sich von Hand keinen Millimeter bewegen.
- Eine Markierung an der Verzahnung habe ich gemacht - hätte ich mir aber sparen können denn dort ist bereits eine Markierung vom Werk aus angebracht so dass eine falsche/versetzte Montage gar nicht möglich ist.
- Ohne Luft ablassen aus dem Reifen kriegt man das Rad nicht von der Welle - hatte ich wohl vom letzten Mal vergessen ...
- Den Bolzen auszutreiben war dann ein schönes Stück Arbeit - der steckte wirklich bombenfest! Geschliffen und vorsichtig gefettet dann wieder eingesetzt. Einen Filzring konnte ich allerdings beim besten Willen nicht entdecken.
- Die Beläge gingen leicht herauszuklappen und daher ebenso leicht wieder einzusetzen - das habe ich an anderen Fahrzeugen schon anders erlebt.
- Beläge und Trommel habe ich dann angeraut wieder eingesetzt. Drehmomentschlüssel hatte ich ebenso wie einen Helfer nicht vor Ort - so musste anziehen nach Gefühl und blockieren des Hinterrades mit einer Stange ausreichen.

Vielen Dank nochmal für die Tips. Habe das eigentlich nur so lange aufgeschoben weil ich doch ein wenig Bammel hatte. Aber es hat wie gesagt alles einwandfrei wie beschrieben geklappt. Nochmal vielen Dank an die Tipgeber!

Gruss
Michael

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